Neugier war mein erster Entwickler – ich musste anfangen, um herauszufinden, was ich noch nicht weiß

2023 konnte ich noch nicht programmieren.

Ich war aber lernwillig und lernte dank YouTube erstaunlich schnell, eine HTML-Datei mit CSS und ein wenig JavaScript vorzuzeigen – und das Ganze noch bevor ich mit ChatGPT in Kontakt kam. Backend, Datenbanken, Git, GitHub und Terminals waren damals noch Fragezeichen für mich. Was eine professionelle Entwicklungsumgebung sein sollte? Ich hätte keine Antwort darauf gehabt. Ich hatte gerade einmal VS Code kennengelernt und auf meiner Maschine installiert.

Trotzdem baute ich ganz mutig meine erste App, die ich auf mein Handy laden konnte.

Vor kurzem habe ich auf einem alten MacBook vier Projekte wiedergefunden. Finanzkompass, Invest Wise, ein Vokabeltrainer und ein Blog. Vier Belege dafür, dass ich angefangen hatte, bevor ich wusste, wie man so etwas eigentlich richtig macht.

Ich wollte wissen, wie eine Website entsteht

Mit Finanzkompass und Invest Wise probierte ich HTML und CSS und JavaScript aus. Ich wollte nicht nur eine Website benutzen. Ich wollte verstehen, wie sie entsteht.

Also schrieb ich Code, lud die Seite neu und sah mir an, was sich veränderte. Ein anderer Abstand. Eine andere Farbe. Ein neuer Text. Das waren kleine Änderungen, aber sie waren direkt sichtbar. Und Eingaben sollten auch verarbeitet werden können. JavaScript war mir damals noch nicht so richtig klar, und daran bin ich schließlich gescheitert.

Ich hatte noch kein vollständiges Verständnis von Softwareentwicklung. Ich hatte nicht einmal ein besonders klares Bild davon, was ich alles nicht wusste. Ich hatte eine Oberfläche vor mir und den Wunsch, sie selbst zu verändern.

Das war zunächst genug. Ich wollte herausfinden, wie das funktioniert. Trotzdem hatte ich natürlich eine Idee: Ich wollte eine Anwendung für Anlageberater schaffen. Sie sollten das Gespräch führen und dabei durch die Anwendung navigiert werden. Am Ende sollte eine konkrete Empfehlung auf Basis der fachlichen Position des Hauses entstehen und alle gesetzlich vorgeschriebenen Elemente enthalten.

Dass man für so eine Anwendung mehr braucht als ein Frontend, war mir zu Beginn nicht klar. Am Ende schon. Die Videos dazu waren mir damals aber noch eine Nummer zu groß. Ich lernte, dass es Frontend- und Backend-Entwickler gibt. Davon wusste ich vorher nichts.

Dann sollte die Seite etwas können

Der Vokabeltrainer war der nächste logische Schritt. Irgendwas sinnvolles sollte es sein und JavaScript wollte ich besser verstehen.

Gebaut habe ich ihn nach einem YouTube-Tutorial von Junus Ergin vom Kanal „Programmieren lernen“. Ich habe also nicht bei null angefangen und auch nicht alles selbst erfunden. Ich habe nachgebaut.

Aber beim Nachbauen passierte etwas Entscheidendes: Ich konnte nicht mehr nur das Aussehen verändern. Ich musste verstehen, wie eine Anwendung auf Eingaben reagiert.

Ich konnte Vokabeln eintragen und mich anschließend abfragen lassen. Die Seite zeigte nicht mehr nur Inhalte an. Sie nahm etwas von mir entgegen und verwendete es später wieder.

Das war für mich ein anderer Moment als bei den statischen Websites.

Der Vokabeltrainer war außerdem eine PWA, die ich auf mein Handy laden konnte. Damals war das für mich spektakulär. Ich kann den Moment immer noch fühlen und weiß noch genau, wem ich das alles gezeigt habe. Die Leute um mich herum fanden es vielleicht seltsam, womit ich mich so beschäftigte. Das tun die meisten heute genauso. Für mich war es jedenfalls der Beweis, dass aus ein paar Dateien etwas entstehen kann, das sich wie eine eigene App anfühlt.

Ich hatte keine Ahnung, wie weit ich davon noch entfernt war, eine echte Softwareanwendung zu bauen. Aber ich konnte etwas benutzen, das ich selbst erstellt hatte.

Das verändert den Blick auf Technik.

Der vierte Ordner

Der vierte Ordner war ein Blog.

Ich habe früher gebloggt und meine Freunde mit meinen politischen Ansichten genervt. Zwischen 2009 und 2011 habe ich sehr regelmäßig gebloggt. Der Blog hieß „Streben nach Glück“, mein Handle war „gluecksstreber“. Der Antrieb dahinter war aber nicht nur das Bloggen an sich, sondern die Internetpräsenz.

2023 kam der Impuls zum Schreiben wieder. Ich wollte Gedanken festhalten und sichtbar machen. Ich wollte ausprobieren, ob aus einer Idee ein Text und aus einem Text vielleicht ein Ort im Internet werden kann. Entstanden ist daraus eine eigene Website, die es heute nicht mehr gibt. Ich hatte gelernt, wie ich bei Strato eine Domain registriere, wie ich WordPress installiere und wie ich mit Elementor ein WordPress-Theme gestalten kann.

Der Versuch wurde kein großes Angebot. Das war auch nicht der Punkt.

Ich baute nicht, weil ich bereits wusste, wohin das führen würde. Ich baute, weil ich es herausfinden wollte.

Brilliant, Python und ein schmales Gerüst

Parallel nutzte ich Brilliant und versuchte, Python zu lernen. Das hat, ehrlich gesagt, ganz gut funktioniert.

Trotzdem war mein technisches Gerüst sehr schmal: HTML, CSS, JavaScript und ein wenig Python. Mehr war es nicht.

Wenn ich heute darauf zurückblicke, könnte ich mich dafür kleinmachen. Ich könnte sagen: Das reicht doch alles nicht. Damit kommt man nicht weit.

Das stimmt sogar.

Mit diesem Gerüst allein hätte ich keine komplexe Anwendung bauen können. Ich wusste nichts über Backend-Systeme, Datenbanken, OAuth oder saubere Entwicklungsprozesse. Ich hatte keinen richtigen Workflow. Ich kannte außer VS Code keine IDEs, schon gar keine mit KI wie Windsurf oder Cursor. Ich wusste nicht, welche Fragen ich überhaupt hätte stellen müssen.

Aber ich hatte etwas, worauf ich aufbauen konnte.

Ich musste nicht zuerst alles können, um anzufangen. Ich konnte eine Idee nehmen, eine erste Version bauen und dabei herausfinden, was mir fehlte.

Der Anfang war nicht beeindruckend

Das ist die ehrliche Bilanz dieser vier Ordner: Sie waren nicht beeindruckend.

Finanzkompass und Invest Wise waren einfache Websites. Der Vokabeltrainer entstand aus einem Tutorial. Der Blog blieb ein Versuch. Nichts davon wurde zu einem produktiven Projekt.

Trotzdem blicke ich stolz darauf zurück.

Nicht auf die technische Qualität. Sondern darauf, dass ich mich überhaupt rangetraut habe.

Ich hatte 2023 noch keinen umfassenden Plan und keine belastbare Vorstellung davon, was Softwareentwicklung bedeutet. Ich wusste nur, dass ich nicht länger ausschließlich Anwender sein wollte. Ich wollte verstehen, wie die Dinge hinter der Oberfläche funktionieren.

Später hat mir KI ermöglicht, schneller zu experimentieren und mich stärker auf größere Konzepte zu konzentrieren. Aber KI war nicht der Anfang. Der Anfang waren diese kleinen Projekte und das schmale Gerüst aus HTML, CSS, JavaScript und Python.

Man muss nicht bereit sein, um anzufangen. Man muss anfangen, damit man herausfindet, was man als Nächstes lernen muss.

2023 konnte ich kaum programmieren – und ehrlich gesagt kann ich heute auch nicht viel mehr.

Aber es ist der Grundstein für alles, was danach kam und hoffentlich noch kommen wird.